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Aktuelles

13. Workshop des Netzwerks Biographieforschung, 13. April 2018

Künstler_innen-Biographien: Wo bleibt das Werk?

Liebe KollegInnen, 

wir laden herzlich ein zum 13. Workshop des Netzwerks Biographieforschung „Künstler_innen-Biographien: Wo bleibt das Werk?“ am Freitag, 13. April 2018, 14.00-17.30 Uhr an der Universität für Musik und darstellende Kunst, 1010 Wien, Seilerstätte 26, Raum C 0313.

Der Grund, warum über Künstler_innen Biographien geschrieben werden, ist zunächst und vor allem ihr künstlerisches Handeln, ihr „Werk“. Auffallend aber ist, dass das „Werk“ in vielen Künstler_innen-Biographien seltsam randständig behandelt wird: Bilder, Texte oder gar performative Werke – Filme, Choreographien, Musik etc. – erhalten häufig wenig Platz in Künstler_innen-Biographien, und wenn sie doch zur Sprache gebracht werden, dann nicht selten von starken biographischen Narrativen überformt: Hier kommen Künstlerbilder, die sich bis zu Vasaris Viten zurückverfolgen lassen, in den Vordergrund: Narrative vom Künstler als (verkanntes) Genie, säkularer Märtyrer, Provokateur aus Berufung, als Projektionsfläche bürgerlicher Gegenentwürfe...., oder die Künstlerin als Muse, grenzwandelnd entlang moralischer Vorgaben, den unbarmherzigen Stürmen der forza del destino ausgesetzt, als Nachlassverwalterin oder gar Künstlerwitwe im Wahn… bestimmen, welche Werkauswahl getroffen wird und überformen die Wahrnehmung der Werke.

Solcherart Überformungen riefen ab den 1970er/80er Jahren in kunstwissenschaftliche Disziplinen – vor allem im Gefolge des „Tod des Autors“, den Roland Barthes 1968 benannte, – starke, das Biographische ausschließenden Reaktionen hervor. Diese kräftige Zäsur freilich verhinderte nicht, dass Biographien weiterhin weitläufig für Vermittlung von Kunst eingesetzt werden, verhinderte auch nicht, dass populäre und digitale Medien sowie Selbstinszenierungen von Künstlern und Künstlerinnen Leben und Werk beständig, wenn auch weitgehend unkritisch, aufeinander beziehen.  Die Diskussion darum, wie das „Werk“ in Künstler_innen-Biographien dargestellt werden kann und welche Wechselwirkung zur Darstellung des Lebens, zu biographischen (Künstler_innen)Narrativen bestehen, bleibt mithin weiterhin zu führen.

Der Workshop möchte zu einer Diskussion darüber entlang von folgenden drei Schwerpunkten anregen:

1)     --- Welchen Raum und welche Art der Darstellung kann das künstlerische Werk (Bild, Text, Performance, Film, Musik etc.) innerhalb einer Biographie einnehmen? Fasst man dabei die Biographie als (monographisches) Buch auf, stellen sich dabei andere Fragen – etwa die der Materialität von Kunst – als in digitalen, multimedialen Formaten.

2)     --- Welchen Einfluss hat die Gestaltung des Nachlebens eines Künstlers/einer Künstlerin auf seine/ihre Biographie? Wie verändert die (mögliche oder auch unmögliche) Aufbewahrung des künstlerischen Werkes die Frage danach, welchen Raum dem Werk in einer Künstler_innen-Biographie eingeräumt werden kann? Die Biographie über eine Sängerin des 19. Jahrhunderts, deren Gesang nicht auf Tonträger konservierte werden kann, stößt hier auf andere Herausforderungen als die Biographie über einen Autor, der schon zu Lebzeiten selbst für die Archivierung seines Vor- bzw. Nachlasses Sorge trug. Perspektiven, die die Materialität von Künsten fokussieren, wie auch solche von Gender und Kanonisierung sind hierbei besonders interessant.

3)    --- Künstler_innen wissen selbst um das „self-fashioning“ (Stephen Greenblatt) oder einem „für eine größere Öffentlichkeit inszenierten Leben“, jener „dritten Sphäre neben dem Kunstwerk und dem Leben“, wie sie Anja Tippner und Christopher F. Laferl thematisiert haben. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage der Schwerpunktsetzung durch den/die Künstler_in selbst wie auch durch den Biographen/die Biographin. Wie bedingen etwa biographische Narrative Schwerpunktsetzungen in der Werkbetrachtung? Welche Überformungen durch biographisch herausragende Ereignisse finden in der Darstellung des Werkes statt (z.B. Jugendwerk/Spätwerk)?

Wir laden alle Teilnehmenden ein, einen Text – ein konkretes Beispiel sowie theoretisch-reflektierende Beiträge – oder aber eine künstlerische Biographie in Gestalt anderer Medien, wie etwa CDs, Zeitungsartikel, Bilddokumenten etc. mitzubringen, welche zum gestellten Thema bzw. den drei Schwerpunkten Interessantes beitragen können, und im Workshop vorzustellen. Die Idee ist, dass sich über die Vorstellung des Materials im weitesten Sinne, dessen Kommentierung und auf der Grundlage der unten vorgeschlagenen Lektüre eine rege und anregende Diskussion entwickelt.

Zur vorbereitenden Lektüre (siehe Anhang) empfehlen wir: Christopher F. Laferl, Anja Tippner, Vorwort, in: dies., Leben als Kunstwerk : Künstlerbiographien im 20. Jahrhundert ; von Alma Mahler und Jean Cocteau zu Thomas Bernhard und Madonna, Bielefeld (transcript) 2011, S. 7-28

Erweiternd etwa auch:
Caitríona Ní Dhúill, Biografie von ‚er‘ bis ‚sie‘. Möglichkeiten und Grenzen relationaler Biographik, in: Bernhard Fetz (Hg.), Die Biographie – Zur Grundlegung ihrer Theorie, Berlin/New York (Walter de Gruyter), 2009, S. 199-226
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Um Anmeldung bis 10. April 2018 wird gebeten: unseld@mdw.ac.at

Bernadette Reinhold und Melanie Unseld

Institut für Anglistik und Amerikanistik
Universität Wien
Spitalgasse 2-4, Hof 8
1090 Wien

T: +43-1-4277-42473
E-Mail
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